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Nettiquette auf Hundeausstellungen
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„Nettiquette“ auf Hundeausstellungen

 Es ist unbestritten: Ausstellungen sind besonders praktisch und wichtig, um möglichst viele Rassevertreter im Vergleich zueinander von einem erfahrenen Kenner der Rasse beurteilen zu lassen. Außerdem lernt man selber sehr viel dabei, kann sich mit Rassekennern und Gleichgesinnten austauschen, die Hunde live sehen – was wichtiger ist, als tausend Fotos –, und seinen Dalmatiner selbst im Vergleich zu anderen Dalmatinern kritisch betrachten. Hundeausstellungen sind idealerweise ein unersetzliches Forum für den Austausch und das Lernen miteinander und voneinander.

Auf Hundeausstellungen trifft man deshalb normalerweise auf andere Menschen und auf andere Hunde – außerhalb und innerhalb des Rings, auch wenn sich darüber der ein oder andere noch wundern mag. Das ist auch gut so, wie langweilig wäre es, wenn wir immer alleine auf Ausstellungen wären, das wäre sehr einsam. Auch für die Zuschauer wäre das nicht besonders spannend. „Zuschauer“ ist überhaupt ein gutes Stichwort: Es gibt auch Zuschauer auf Ausstellungen. Das sind Menschen, die sich entweder gezielt über die Rasse informieren möchten, weil sie mit dem Gedanken spielen, sich einen Dalmatiner anzuschaffen; oder aber die Zuschauer kommen mit einem allgemeinen Interesse zum Hund, wie auf den internationalen Ausstellungen. Wie auch immer: Ausstellungen sind natürlich auch eine gute Möglichkeit für eine positive Außendarstellung unserer Lieblingsrasse. Diese Chance sollten wir nutzen. Fröhliche, wedelnde, aufgeschlossene und freundliche Dalmatiner und höfliche, rücksichtsvolle Aussteller geben ein gutes Bild nach außen ab und tragen zum positiven Image unseres vierbeinigen Freundes bei – denn wir wissen ja alle, was anderes hat er auch nicht verdient.

 An dieser Stelle kommen mal ein paar Gedanken, wie jeder von uns zu diesem positiven Bild weiter beitragen kann:

  1. Es kommt immer mal vor, dass ein Hund – und vielleicht auch sein Aussteller – schlecht geschlafen hat oder nicht so gut gelaunt ist, wie sonst eigentlich immer. Ausstellungen sind für Tier und Mensch sehr anstrengend und stressig. Das frühe Aufstehen, die vielen Menschen und Hunde – das kann schon schlauchen. Gerade wenn man feststellt, dass der Hund nicht so gut drauf ist, sollte man sich und ihm den großen Gefallen tun, und ihn vom großen Trubel abschirmen. Dafür eignet sich eine Hundebox besonders gut, die möglichst weit ab vom Schuss aufgestellt ist. Sie bietet dem Hund Rückzugsmöglichkeiten und einen Ruhepol – wenn sie nicht gerade in der Hauptverkehrsstraße steht.


  2. Wir sollten uns auch immer bewusst sein, dass wir zum einen unseren Stresspegel auf die Hunde übertragen, auf der anderen Seite die Hunde untereinander kommunizieren, selbst wenn es sich dabei um Körpergesten oder „nur“ Blicke handelt. Ein offensiver Blickaustausch kann eine kleine Kriegserklärung sein, die wir gar nicht mitbekommen. Wir wundern uns vielleicht, warum der ein oder andere Hund an manchen Hunden nicht vorbei will – aber der hat womöglich einfach nur gut verstanden, was das Gegenüber meint.


  3. Das ist auch der Grund, warum wir wichtige Wege – wie den zum Ring zum Beispiel – nicht mit unseren Hunden versperren sollten, schon gar nicht, wenn unsere Hunde ihr „Schlechtausgeschlafensein“ durch offensivere Körpersprache zeigen, als durch Fixieren. Der Zugang zum Ring sollte jederzeit für die frei und ohne Gefahren passierbar sein, die gerade dran sind.


  4. Der Sinn von Leinen ist, dass die Hunde angeleint sind. Das bedeutet Sicherheit für den eigenen Hund und für andere, und sorgt für einen friedlichen und ungestörten Ablauf. Erst recht dann, wenn an der Erziehung noch gearbeitet wird und der Hund noch nicht aufs Wort gehorcht.


  5. Im Ring trifft man nicht nur auf andere Aussteller und deren Hunde, sondern auch auf einen Richter. Der Richter ist am Tag der Ausstellung der Mensch, der dazu berufen wurde, die anwesenden Hunde zu beurteilen. Deshalb sind alle gekommen – neben dem Kaffee und Kuchen, was ja auch ganz schön ist. Der Richter beurteilt die Hunde nach dem Standard. Das macht er objektiv und nach bestem Wissen und Gewissen. Wir wissen alle, dass der Standard durchaus auch Interpretationsspielraum zulässt und jeder zuweilen andere Präferenzen hat – Gangwerk, Ober- und Unterlinie, Wesen etc. Der Richter muss an dem Tag der Ausstellung aufgrund der anwesenden Hunde eine Entscheidung fällen, so ist die Spielregel. Diese Entscheidung muss uns nicht immer gefallen und wir dürfen anderer Meinung sein – aber wir müssen die Entscheidung des Richters akzeptieren. Was für ein toller Familienhund und Sportskamerad unser Hund ist, oder wie toll er sonst abschneidet, steht auf einem anderen Blatt – um diese Kriterien zu berücksichtigen, gibt es Züchter. An dem Tag der Ausstellung gibt es für das andere den Richter.


  6. Es steht uns gut zu Gesicht, wenn wir uns über den Erfolg anderer freuen. Der Erfolg bedeutet immerhin auch einen Erfolg für die Rasse an sich, denn exzellente Dalmatiner sind ein Gewinn für alle und für jeden Züchter. Und so profitiert ja letztendlich jeder Züchter von der guten und harten Arbeit anderer Züchter. Das ist gut so, so soll das sein. Wir sitzen alle in einem Boot, arbeiten miteinander und lernen voneinander. Was nicht heißt, dass wir alle dasselbe züchten sollen, das wäre wiederum katastrophal. Vielfalt ist wichtig, und so ist es ein Segen, dass viele unterschiedliche Präferenzen und Ansichten haben. Eine weise Züchterin sagte mal zu mir „Wie gut, dass wir nicht alle dieselben Hunde mögen, sonst würden wir alle dieselben Fehler machen.“ Und sie hat recht. Deshalb sollten wir uns auch über den Erfolg freuen, selbst wenn ein Züchter was ganz anderes macht, als wir selbst.


  7. Ein letztes Wort zur Höflichkeit im Ring: Ein höfliches und rücksichtsvolles Miteinander im Ring erleichtert uns, dem Ringpersonal und dem Richter die Arbeit. Dazu gehört neben dem Gratulieren nach der Platzierung auch, dass wir den Distanzbereich eines jeden Hundes und Menschen respektieren. Das kennt jeder aus dem Film „Dirty Dancing“. Wie beim Drängeln auf der Autobahn ist es nicht so höflich, dem Vordermann beim Laufen zu umarmen – so kuschelig muss es dann unter uns doch nicht sein. Auch ist es nicht besonders beeindruckend, wenn man der 30 Jahre älteren Mitausstellern mal so richtig zeigen möchte, wie schnell man selber laufen kann – und sie dreimal überrundet. Es ist nicht der Nürburg“ring“. Auch sollte man davon absehen, die eigenen Leckerchen wie „Kamelle“ beim Karneval im Ring zu verteilen. Es hat schließlich jeder seine eigenen dabei.

Dann auf: Nur gemeinsam sind wir stark!

Im September 2009

 
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