| Die Sache mit der Schönheit und mit Ausstellungen |
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There are no translations available. In letzter Zeit hatte ich ein paar eigenartige Gespräche über Ausstellungen und Schönheit oder das, was andere darunter verstehen oder meinen zu glauben, was jemand anderer darunter versteht. Das hat mich nun dazu veranlasst, ein paar Worte darüber zu verlieren.
Interessanterweise sind sich Hund und Katze gar nicht so unähnlich – und diese beiden sind netterweise auch sehr ausdauernde Läufer und können hervorragend springen:
Nun noch ein Wort zu Ausstellungen: Man kann zweifellos viel Schlechtes an ihnen finden und auch ich stehe der Sache nicht kritiklos gegenüber. Im Falle des Dalmatiners – und auch anderer Lauf- und Schweißhunderassen der FCI-Gruppe 6 – ist es aber – idealerweise – so, dass die Hunde an lockerer Leine frei vorgeführt werden, ohne dass zuvor an ihnen herumgeschnippelt wird und ohne dass sie beim Präsentieren angefasst werden. Die Hunde stehen frei und fest auf ihren vier Pfoten mit leicht ausgestellten Hinterläufen, so wie sie sich von sich aus stellen, ohne hinten überstreckt zu werden. Sie traben zudem an der lockeren Leine.
Auch über die in der jüngsten Vergangenheit postulierte populationsgenetische "maximale Genvariabilität" nach Hellmuth Wachtels "Hundezucht 2000" ließe sich vortrefflich streiten. Es ist nämlich die Frage, ob Hunde aus Outcross immer automatisch gesünder (auch genetisch) sein müssen als Hunde mit einem engeren Stammbaum. Die Praxis zeigt, dass es nicht zwangsläufig so sein muss. Jetzt könnte man argumentieren, dass die negative Wirkung aus konsequenter Linienzucht sich erst in vielen Generationen offenbart. Da ist was dran, wenn man dauerhaft zu eng züchtet und zudem auf genetisch vorbelastete Hunde Linienzucht betreibt. Allerdings bleibt die Frage unbeantwortet, die andere Genetiker ins Feld werfen: Was passiert nämlich auf lange Sicht, wenn innerhalb einer (bei unseren Hunden sowieso sehr kleinen) Population nur noch Outcross betrieben werden würde? In 100 Jahren wäre kein Outcross mehr möglich, weil alle Hunde miteinander verwandt wären. Und auch die gesundheitsschädliche Zuchtselektion auf übertriebene Rassemerkmale (zu lange Rücken bei zu kurzen Beinen, zu kurze Nasen usw.) führt zu der heute feststellbaren "Degeneration", unabhängig davon ob Engzucht oder nicht. Eine hohe Genvariabilität, die Verneinung der Matadorzucht (zu häufiger Einsatz eines Superrüden) und stärkere Selektion auf Leistungs- und Wesensmerkmale sind ohne Zweifel die richtigen Ansätze, um dem Dilemma der Rassehundezucht entgegenzutreten. Allerdings sind Inzucht- und Ahnenverlustkoeffizient nur eine Facette des großen Ganzen und müssen nicht unbedingt etwas über den Zuchtwert eines Tieres aussagen - erst recht dann nicht, wenn nicht kritisch genug selektiert wird. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche begrüßenswerte Projekte der Zuchtverbände, wie zum Beispiel Normalisierung der optischen Rasseattribute (z.B. längere Nasen beim Boxer, gerader Rücken beim Deutschen Schäferhund) und selbst schwierig durchzusetzende Auskreuzungen (wie beim Backcross-Projekt beim Dalmatiner in den USA, wo ein Pointer eingekreuzt wurde: mit etwas Glück sind Hunde aus dem Projekt in absehbarer Zeit auch hier einsetzbar). Über diese Themen lässt sich wie gesagt lange diskutieren und streiten und bei Gelegenheit gibt es an dieser Stelle mehr Überlegungen dazu. Letzten Endes sitzen wir alle in einem Boot, wollen das Gleiche und teilen die Liebe und Leidenschaft zum Hund oder einem bestimmten Hunde- und Rassetyp. Wir wissen alle: Ein kranker Hund kann nämlich eines nie sein - schön. Und auf lange Sicht, so denke ich, läuft die Zucht auf rein optische, übertriebene Rassemerkmale - die auch Modetrends unterworfen ist - Gefahr, in einer Sackgasse zu landen, selbst wenn man als Züchter diese Sackgasse vielleicht nicht mehr erlebt. (Im September 2009) |
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