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Gesundheitliche Aspekte beim Dalmatiner
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Gesundheitliche Aspekte

Der Dalmatiner ist eine vergleichsweise genetisch sehr gesunde Rasse mit wenig Neigung zu Gelenkserkrankungen, langer Lebenserwartung, großen Würfen und natürlicher Fortpflanzung. Dennoch kann ein Dalmatiner, wie jeder andere Hund, im Laufe seines Lebens erkranken. Wie bei uns Menschen spielen dabei Ernährung und viele Umweltfaktoren eine große Rolle. Ein gesund ernährter, gut gepflegter und gehaltener Hund wird insgesamt in guter Konstitution sein und besser gewappnet gegen schädliche Umwelteinflüsse. Leider beschränkt sich die schulmedizinische Behandlung von heute überwiegend auf die Symptome, und nicht selten werden mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Zuviele unnötige Impfungen, Entwurmungen und Antibiotikagaben schwächen das Immunsystem des Hundes und machen ihn anfälliger, unabhängig davon ob Rassehund oder Mischling. Häufig sprechen solche Hunde gut auf eine Futterumstellung und auf alternative Behandlungsmethoden an.

Darüber hinaus hat der Dalmatiner wie jede andere geschlossene Population gesundheitliche Prädispositionen, wie die Harnsäureproblematik und die Taubheit, die ich hier im folgenden kurz behandeln werde.


Zuviel Harnsäure

Über die Neigung zu hohen Harnsäurewerten im Urin (Hyperurikosurie) und damit verbundener möglicher Ausbildung von Harnröhrensteinen hat Dr. Vera Engelbertz (Humanmedizinerin) einen sachlichen und informativen Artikel geschrieben. Zu finden ist er hier. Die Umwandlung von Purin zu Allantoin ist beim Dalmatiner (in der Leber ud in den Nieren) gestört, weshalb er mehr Harnsäure über den Urin ausscheidet als andere Hunde. Eine ganz ähnliche Prädisposition kann beim Menschen zu Gicht führen. Fakt ist aber, dass es aufgrund der Prädisposition nicht zu Problemen beim Dalmatiner (und Menschen ;) kommen muss und dass nur ein kleiner Bruchteil der Dalmatiner tatsächlich Harnröhrensteine ausbildet. Häufiger betroffen sind Rüden, da Hündinnen die Steine leichter aussscheiden können. Viele Dalmatinerhalter prüfen regelmäßig die Harnsäurewerte ihrer Dalmatiner, um sie im Blick zu behalten (der Urin-PH-Wert sollte idealerweise zwischen 6,5 und 7 liegen). Im allgemeinen scheinen auch hier, wie so oft, eine frische, natürliche Ernährung mit hohem Feuchtegehalt im Futter positive Einflussfaktoren zu sein.

Früher glaubte man, dass hohes Protein im Futter ein wichtiger Faktor sei, doch das haben führende Ernährungswissenschaftler (u.a. Meyer/Zentek) längst widerlegt. Nicht der Proteingehalt, sondern die Hochwertigkeit und die Verdaulichkeit von Protein ist auschlaggebend. Sie sind bei Muskelfleisch am besten, und bei Getreide am schlechtesten. Deshalb ist das Fertigfutter mit wenig Proteingehalt, aber hohem Getreideanteil eine schlechte Ernährung nicht nur für Dalmatiner, sondern für jeden Hund. Darüber hinaus sollte auf Purine im Futter geachtet werden, wobei darauf nicht ganz verzichtet werden kann und muss. Purin ist in vielen Lebensmitteln mehr oder weniger enthalten, beispielsweise in hoher Menge in Fleisch, besonders hoch in Innereien und Hefe, aber auch in Gemüsesorten, wie Spargel, Spinat und in Kohlsorten und Hülsenfrüchten. Informationen über Purine in Futtermitteln gibt es auf der Internetseite Dalmaweb unter "Medizinisches". Dennoch rate ich zum entspannten Umgang, und füttere selbst auch Innereien, allerdings in Maßen. Auf purinarme Diät sollte man erst dann umsteigen, wenn die Harnsäurewerte das anraten. Überall im Netz gibt es Tipps zu purinarmer Ernährung beim Menschen, die auch hilfreiche Tipps beim Hund liefern können. Ein Teil des Futters kann z.B. gut mit Milchprodukten (Quark, Joghurt, Kefir, körniger Frischkäse) und Eiern ersetzt werden - sofern der Hund es verträgt.

In den USA kreuzte man vor einigen Generationen einen Pointer ein, um der Harnsäureproblematik beim Dalmatiner entgegenzutreten. Aus den Folgewürfen wurden die Welpen getestet und solche mit geringem bzw. normalem Harnsäurwerten weiter in der Zucht eingesetzt. Mittlerweile ist das Backcross Projekt auch in Europa angekommen (hier geht es zum LUA-Wurf in Frankreich im Herbst 2011, Zuchtstätte "Du Rulais des Mauges" - http://www.dalmatien-mon-ami.fr/Wendy-Reservation-sur-portee_a60.html). Mehr über die "NUA"- und "LUA-Dalmatiner in Europa" (Normal/Low Urinary Acid) lesen Sie auf den engagierten Seiten von Julie Evans, langjähriger Dalmatinerzüchterin aus England (Tyrodal).


Taubheit

Ein anderes Hauptaugenmerk in der Dalmatinerzucht liegt auf der Eindämmung der Taubheit. Wie bei allen gescheckten/gefleckten Rassen und Rassen mit hohem Weißfaktor können Dalmatiner auf einem oder beiden Ohren taub zur Welt kommen - das nennt man die kongenitale sensorineurale Taubheit.

Die kongenitale sensorineurale Taubheit ist eine Erkrankung, von der viele Säugetierspezies betroffen sind. Beim Hund werden über 54 verschiedene Rassen beschrieben, bei welchen ein kongenitaler Hörverlust auftritt. Hunde mit ein- oder beidseitigen Hörverlust werden nicht in die Zucht genommen, da diese Form des angeborenen Hörverlustes erblich bedingt ist. Die sensorineurale Taubheit ist bei Hunden die häufigste Taubheitsform. Diese Taubheitsform hat ihren Ursprung im Innenohr. Dabei gehen die Zellen in der Cochlea (Hörschnecke) des Innenohrs zugrunde. Diese sind für die Wahrnehmung von Schall und die Weiterleitung der Signale an das Gehirn verantwortlich. Die meisten Untersuchungen zu dieser Taubheitsform wurden beim Dalmatiner durchgeführt. (Quelle TiHo Hannover)

Momentan wird an einer Studie zur molekulargenetischen Aufklärung der angeborenen Taubheit sowie an geeigneten Gentests geforscht, leider liegen noch keine praxisnahen Tests vor, die im Vorfeld von Anpaarungen aussagekräftige Voraussagen über das Auftreten von Taubheit in einem Wurf geben können.

Wie unter dem obigen Link dargestellt, ist es wahrscheinlich, dass mehrere Gene an der Ausbildung der angeborenen Taubheit beteiligt sind. Seit 2004 ist die AEP-Untersuchung (AEP * Akustisch Evozierte Potenziale) bei allen Dalmatinerwelpen, die im VDH zur Welt kommen, in Deutschland Pflicht. Dabei hat sich gezeigt, dass die Zahlen aller drei Dalmatinervereine von 1,5% bis 4% beidseitig tauber Dalmatiner schwanken. Taube Dalmatinerwelpen werden heute in Deutschland vermittelt und leben dank der Aufklärung in den letzten Jahren über "Erziehung mit Handzeichen"  zum großen Teil glücklich und zufrieden in ihren Familien. Gut gehalten können auch sie wie die meisten Dalmatiner sehr alt werden, 14 Jahre und mehr sind keine Seltenheit.

Studien in der Vergangenheit haben gezeigt, dass das Auftreten von Taubheit in Verbindung mit Blauaugen häufiger vorkommt, genauso wie Taube in Würfen mit Platten (großer Farbfleck am Körper) statistisch weniger häufig vorkommen. Was die Zahlen beidseitig tauber Dalmatiner angeht, so sind sie in Deutschland trotz AEP-Untersuchungspflicht in den letzten Jahren konstant geblieben, und vergleichbar mit denen anderer europäischer Länder, in denen keine Untersuchungspflicht besteht. Anders hingegen die Zahlen aus den USA, aus denen einige Studien stammen, aus denen häufig zitiert wird: In den USA können auch Dalmatiner mit blauen Augen in der Zucht eingesetzt werden, und beidseitige Taubheit tritt in den USA signifikant häufiger beim Dalmatiner auf als in Europa. Eine interessante Seite über die Studien und Erkenntnisse zur kongenitalen Taubheit in den USA gibt es hier (Englisch): Deafness in Dogs & Cats.

Neben der beidseitigen Taubheit können Dalmatiner und andere Rassen auch nur auf einem Ohr taub sein, was den Hund in seiner Lebensqualität nicht einschränkt.


Allgemein

Im Jahr 1997 starteten Niederlande und Norwegen eine Gesundheits-Umfrage an Dalmatinerhalter und -züchter. Die Ergebnisse sind sicher nicht repräsentativ, aber interessant und ganz aufschlussreich. Die Ergebnisse sind hier nachzulesen (leider nur Englisch).
 
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